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Kleine Gemüsegourmets fördern

Ernährungsvorlieben von Kindern werden bereits im Mutterleib geprägt – Ein Interview mit Prof. Dr. Daniel Weghuber.

Welche Rolle spielt die richtige Enährung für die Gesundheit von Kindern?

Wir wissen, dass die ersten Monate und Jahre eines Kindes langfristig prägend für die spätere Gesundheit des Kindes sind. Diese Prägung, wir sprechen von Programmierung - beginnt im Mutterleib. In dieser Zeit wird das spätere Ernährungs- und Bewegungsverhalten geprägt, und zwar bereits durch das Ernährungsverhalten der Mutter in der Schwangerschaft und die Ernährung im Säuglingsalter. Es ist wichtig, dass Mütter ihre Kinder möglichst lange stillen können. Dafür muss ich mich als Arzt einsetzen. Wir sind Ansprechpersonen auch für die Beikost-Ernährung des Kindes. Unsere Empfehlungen sind sehr klar: nicht früher als ab dem fünften Monat, aber dann zügig vielfältig, um richtige Obst- und Gemüsegourmets zu fördern. Kinder, die früher mit den Aromen in Kontakt kommen, wollen später mehr davon. Das braucht das Gespräch mit der Mutter, dem Vater. Doch jetzt stellen sie sich eine kinderärztliche Praxis in Wien vor mit 150 Patientenkontakten pro Tag, die auch unter wirtschaftlichem Druck steht. Man bekommt seit 30 Jahren das gleiche Honorar für die Mutter-Kind-Pass-Untersuchung, soll aber noch mehr Inhalte vermitteln. Später sollten den Kindern im Kindergarten die Rahmenbedingungen gegeben werden, um in Bezug auf Ernährung zu gustieren und zu erleben. Da gibt es wunderbare Studien, die zeigen, dass wir mit Gestaltungsmaßnahmen des Alltags das Verhalten der Kinder in Bezug auf Ernährung prägen. Das gilt auch für Schüler, die deren schulisches Umfeld wir gesundheitsfördernd konzipieren müssen.

Warum ist Ernähung heutzutage so ein schwieriges Thema?

Wir wissen, dass die Ernährungskompetenz der Erwachsenen dramatisch abgenommen hat. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Ein Beispiel: Viele Erwachsene und Kinder kämpfen mit der chronischen Krankheit Adipositas – meist ein Leben lang. Diese Entwicklung wird in den ersten drei Lebensjahren wesentlich programmiert. Hier werden Weichen gestellt. Wir müssen uns mit unseren Maßnahmen auf die Jüngsten und Schwächsten in der Gesellschaft fokussieren und sie stützen. Ernährung ist auch ein Armutsthema. Wir müssen uns darum kümmern, dass die Schwächsten der Gesellschaft Zugang zu entsprechenden Informationen und Ressourcen bekommt, wie sie sich und ihre Kinder besser ernähren können. Nicht umsonst hat die WHO in ihren Nachhaltigkeitszielen das Thema Fehlernährung an die zweite Stelle nach der Armutsbekämpfung gesetzt.

Wie kann man Menschen dazu bringen, sich gesünder zu ernähren?

Ich möchte noch einmal auf die Schüler zurück kommen. Wir prägen ihr Verhalten in der Art und Weise, wie wir die Schulen gestalten. Steht strategisch ein Automat mit ausschließlich gesüßten Getränken beim Eingang und überall dort, wo die Jugendlichen Pause machen oder ist er mit vorrangig wenig gezuckerten Getränken oder Wasser gefüllt? Wunderbare Untersuchungen haben gezeigt, dass alleine mit dieser Maßnahme das durchschnittliche Gewicht der Schüler gesenkt werden kann. Es gibt Konzepte, die darauf zielen, Schulen dahin gehend zu zertifizieren. Es gibt klare Empfehlungen für die Ernährung in der Schule. Das alles kann man beeinflussen, nicht nur das Wissen, sondern auch das Verhalten der Kinder. 

Ein ausführliches Interview mit Prof. Weghuber zum Thema Ernährung finden Sie hier: "Wir müssen Kommunikationsexperten werden“ | DiePresse.com

Prof. Dr. Daniel Weghuber

Daniel Weghuber hat in Wien Medizin studiert. Er ist heute Primarius und Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Salzburg und Professor an der Paracelsus Medizinische Universität. Im Universitätslehrgangs Early Life Care ist er der wissenschaftliche Leiter. 

Der Experte ist unter anderem Mitglied der Nationalen Ernährungskomission, Vorstandsmitglied der Österreichischen Adipositasgesellschaft, Vorstandsmitglied der European Childhood Obesity Group und Wissenschaftlicher Leiter des Internationalen Symposiums Obergurgl (www.symposium-obergurgl.at).