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Early Life Care - Wegbereiterin der ersten Stunde

Michaela Luckmann verabschiedet sich in einen neuen Lebensabschnitt und schenkt uns einige Gedanken zum Abschied.

Etwas Neues …

Early Life Care steht für die besondere Aufmerksamkeit auf die Bedürfnisse von Familien von Anfang an, die Sorge um das Gedeihen von Beginn an, die Bereitschaft, dort Unterstützung zu geben, wo sie notwendig ist und wenn sie gebraucht wird. Und das ist etwas Neues?

Da kann ich nur sagen: JEIN!

Nein, es ist nichts ganz Neues, denn wer entscheidet sich für einen Beruf in diesem Feld? In der Regel sind das Menschen, die eine Berufung spüren: zur Geburtsvorbereitung, zur Pädagogik, zur Sozialarbeit, zur Medizin, zur Therapie, zur …

Ja, es ist neu, denn gerade die wenig stattfindende fachübergreifende Kommunikation, der ungeübte Blick auf sich andeutende Schwierigkeiten, das fehlende Wissen um die Wirkung von traumatisierenden Vorerfahrenen und das kaum vorhandene Angebot an regionalen, gut vernetzen Strukturen sind Faktoren, welche die Entstehung von Early Life Care nötig gemacht und begründet haben. Und zuallererst gaben die schwierigen und leidvollen Erfahrungen von Müttern und Vätern den Anstoß, diese Vision konkret werden zu lassen.

… was es noch nicht gegeben hat …

Zum gesunden Aufwachsen von Kindern beizutragen, benötigt neben dem entsprechenden Fachwissen multiprofessionelle, kooperative Strukturen und eine respektvolle und lebensfördernde Haltung. Bleiben wir zunächst beim entsprechenden Fachwissen: In den einzelnen Disziplinen, die sich mit Schwangerschaft, Geburt und den ersten Lebensjahren beschäftigen, hat sich in den letzten 15 Jahren unglaublich viel an Forschung getan und bahnbrechende Erkenntnisse wurden gewonnen. Besonders das Verständnis für die entscheidende Bedeutung der vorgeburtlichen Zeit, der Geburt und der ersten Monate für die physische/neuronale, aber auch die emotionale und soziale Entwicklung des Kindes hat sich erheblich vertieft. Was auf der Strecke geblieben ist, ist der Blick über den Tellerrand der eigenen Disziplin hinaus auf die Entwicklungen der anderen Fachrichtungen und das Verständnis für die Sprache und Vorstellungen der „Anderen“. Gegenseitiges Befruchten, grundlegendes Hinterfragen, konstruktive Diskussionen und ein gemeinsamer Blick in die Zukunft wurden und werden so verschenkt!

… als Erstes …

Mehr als 30 Expert*innen aus allen relevanten Fachrichtungen haben in einem intensiven Austausch und Dialog das Curriculum für ein berufsbegleitendes Masterstudium entwickelt: den Master of Science in Early Life Care. Dieses Studium ist europaweit einzigartig und als es 2016 mit dem ersten Jahrgang starten konnte, war das für mich mit dem Erleben einer heißersehnten Geburt sicherlich vergleichbar.

… werden und verändern …

Ich lese vorige Woche in der Zeitung:

Zweieinhalb Monate altes Baby von Vater mehrfach geschüttelt ist nach einer Woche im Krankenhaus gestorben. Die Mutter soll nicht eingegriffen haben.

Was bewegt mich nach so einer Nachricht: Die Not der Eltern muss unfassbar groß gewesen sein, die Strukturen der professionellen Unterstützung waren offenbar nicht ausreichend, die Hilflosigkeit des Umfelds groß. Genau hier braucht es Veränderungen in unserer Gesellschaft, ein Klima der Kinder- und Familienfreundlichkeit, verlässliche und leicht zugängliche Unterstützungsangebote, multiprofessionelle Aus- und Weiterbildungen, Early Life Care-Zentren in den Regionen, an Kliniken, in den Brennpunkten der Städte – es darf keinen Unterschied machen, wo ein Kind, eine Familie Beistand braucht: Eine bedarfsgerechte Versorgung muss gesichert sein!

… in die Welt gesetzt …

Wofür ich besonders dankbar bin? Für unsere Lehrenden und Absolventinnen! „Wir sind die Pionierinnen und Botschafterinnen für Early Life Care“, so eine Absolventin. Und mit dieser Überzeugung haben sie erste innovative Projekte bereits umgesetzt, weitere Ideen entwickelt und so Gesellschaft bereits verändert. Denn ich hoffe, dass die Early Life Care Versorgung spätestens in 10 Jahren selbstverständlich und für alle zugänglich ist!

 

„Mit jedem Menschen ist etwas Neues in die Welt gesetzt,
was es noch nicht gegeben hat, etwas Erstes und Einziges.“
 

Martin Buber

 

Michaela Luckmann

Mag.a Michaela Luckmann ist Erziehungswissenschaftlerin und hat sich ihr Leben lang mit Fragen rund um Elternbildung und Elementarpädagogik beschäftigt. Als Studienleiterin im Bildungszentrum St. Virgil in Salzburg hat sie den Universitätslehrgang Early Life Care mitentwickelt und von der ersten Stunde an mit viel Herzblut begleitet. Nach unglaublichen 31 Jahren in St. Virgil verabschiedet sie sich nun in den Ruhestand.