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Kindliche Entwicklung zwischen Ur-Angst und Ur-Vertrauen

Am 13. und 14. Mai 2021 fand die zweite 2. Early Life Care Online-Konferenz statt. Eine Rückschau von Julia Edtmair, MSc

Kinderwunsch, Schwangerschaft, Geburt, erste Lebensjahre – in den ersten 1000 Tagen entfaltet sich zwischen Ur-Angst und Ur-Vertrauen ein Raum, in welchem die frühkindliche Entwicklung stark geprägt wird. Ein Spannungsfeld, das nicht nur fordert, sondern auch fördert. Ein Raum, in dem sich Mütter, Väter, Familien, medizinische Fachkräfte, Geburtshelfer*innen und viele mehr begegnen und austauschen.

Wie wirken sich frühkindliche Erfahrungen auf die Bindung aus? Welche Rolle spielt Berührung in diesem Kontext? Wie wirkt sich das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit auf den frühkindlichen Schlaf aus? Wie kann Angst überwunden und Vertrauen aufgebaut werden? Welche Methoden können in der Praxis – bei Beratung, Begleitung, Therapie und Prävention angewandt werden?

Die Kooperationspartner St. Virgil und das Institut für Early Life Care (PMU) ermöglichten im Rahmen der 2. Early Life Care-(Online-) Konferenz am Donnerstag, den 13.05. und Freitag, den 14.05.2021 einen hochkarätigen, interdisziplinären Dialog rund um das Thema frühkindliche Entwicklung zwischen Ur-Angst und Ur-Vertrauen. Early Life Care präsentierte sich so zum 2. Mal rund 150 Teilnehmenden – einem bunten Publikum aus Hebammen, Ärzt*innen, Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Jurist*innen, Pflegenden und vielen weiteren Disziplinen rund um den Bereich der frühkindlichen Entwicklung.

Spannende Vielfalt in den Vortragsthemen

Aufgrund der aktuellen Corona – Verordnungen wurde die Konferenz in Gänze online durchgeführt, jedoch ohne dabei an Qualität zu verlieren. Über zwei Tage hinweg wurden die Teilnehmenden kompetent und abwechslungsreich durch verschiedene frühkindliche Themenbereiche geführt. Die erste Hälfte der beiden Tage wurde jeweils mit Vorträgen von einflussreichen Wissenschafter*innen und Expert*innen in dem Bereich der frühkindlichen Entwicklung besetzt. Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Sperl vermittelte in seinem Vortrag „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein: Über die Wichtigkeit von Beziehungen zur Lebensenergie“, die Bedeutung von sowohl Biologie als auch von intra- und interpsychischen Prozessen bei Bezugsperson(en) und Säugling. Prof. Dr. med. Karl Heinz Brisch präsentierte das Thema „Menschliche Ur-Ängste und Bindung – die Wiege des Urvertrauens“. Darin spiegelte sich wider, dass durch feinfühlige Zuwendung und Liebe ein Raum von Sicherheit und Geborgenheit entsteht. Die Ethik wurde durch den Vortrag von Dr.in Ruth Baumann-Hölzle „Ur-Angst und Ur-Vertrauen - ein ethisch relevantes Spannungsfeld“ vertreten. Der spirituelle bzw. religiöse Aspekt wurde von Univ.-Prof. DDr. Franz Gmainer-Pranzl mit der Präsentation „Angst und Vertrauen und die Religion(en)“ thematisiert. Es zeigte sich, dass Religionen und Spiritualität durch Rituale eine Ressource von Kraft und Vertrauen bilden können, um Formen der Ur-Angst zu überwinden. Prof.in (FH) Martina König-Bachmann, B.Sc., MHPE und Mag.a Dr.in Manuela Werth führten die Themen „Geburt – Vertrauen, Zutrauen, Misstrauen. Psychosoziale Einflussvariablen im Zusammenspiel“ und „Auswirkungen von Traumata auf das Urvertrauen bei Mutter und Kind“ aus. Zu Schlaf und Bindung präsentierte Adelheid Lang, M.Sc. Anregungen rund um den Bereich „Schlaf, Kindlein, schlaf doch bitte! – Wie das Empfinden von Sicherheit den frühkindlichen Schlaf von Geburt an beeinflusst“. Dieser Vortrag betonte die Wichtigkeit, dass die Dynamik zwischen Bezugsperson(en) und Säugling bzw. Kleinkind von Stimmigkeit geprägt sein sollte. Bedürfnisse sind individuell und können nicht pauschalisiert werden. Dr.in Mag.a BA. Beate Priewasser, die Leiterin des Early Life Care Instituts, beendete die Hauptvortragsreihe mit dem Thema: „Mit Ängsten umgehen lernen - Von den frühkindlichen Interaktions- und Bindungserfahrungen zur eigenständigen Emotionsregulation im Kindergartenalter“.

Vertiefung in Workshops

Zur zweiten Hälfte der beiden Tage wurden jeweils bis zu sieben verschiedene Workshops parallel angeboten. Diese dienten dazu, noch tiefer in die Materie der frühkindlichen Entwicklung einzutauchen und gemeinsam in kleineren Gruppen zu reflektieren. Von Haut-zu-Haut Kontakt bis zu Musiktherapie in der Neonatologie konnten die Teilnehmenden jeweils einen Workshop zu ihrem präferierten Thema pro Nachmittag auswählen. Weiter wurden mit wissenschaftlichen Postersessions topaktuelle Forschungsergebnisse rund um Medien als Stressfaktor in der Corona –Krise, „SAFE® - Urvertrauen“: Eine neue Intervention zur Unterstützung einer sicheren Bindungsentwicklung, Resilienzfaktoren im Lockdown und noch vieles mehr präsentiert und diskutiert.

Auch die Pausen wurden genutzt, um zu informieren. Unter anderem wurde der Early Life Care Universitätslehrgang vorgestellt. Am Montag, den 07.06.2021 findet dazu die nächste Infoveranstaltung

online statt. Bei Interesse können Sie gerne diese Webseite besuchen: www.virgil.at/bildung/veranstaltung/informationsveranstaltung-universitaetslehrgang-early-life-care-online-21-1343/

Viel Nähe trotz Distanz

Alles in allem war die 2. Early Life Care Online-Konferenz ein großer Erfolg. Ein gemeinsames Lächeln und inspirierende Worte wurden auch online über den Bildschirm ausgetauscht. Trotz Distanz wurde Dank der vertrauensvollen Moderation eine Atmosphäre von Nähe geschaffen – ein Raum für einen sicheren und bereichernden Austausch. Ein Ort, wo sich die Ur-Angst und das Ur-Vertrauen begegneten und die frühkindliche Entwicklung die Aufmerksamkeit bekam, die ihr zusteht. Die 2. Early Life Care Online-Konferenz hat wieder gezeigt, wie wichtig dieser Bereich nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis ist. Es braucht noch wesentlich mehr Begegnungsräume, um die Bewusstheit rund um frühkindliche Themen zu stärken.

Der Termin für die 3. Early Life Care Konferenz steht bereits fest: 28.- 30.04.2023 in St. Virgil Salzburg (Save the date(s)!).

Julia Edtmair

Julia Edtmair, M.Sc. absolvierte an der Universität Salzburg das Psychologiestudium, ist ausgebildet in craniosacraler Körperarbeit und studiert zurzeit M.A. Religious Studies. Seit Mai 2021 ist sie als Studienleiterin Teil des pädagogischen Teams des Bildungszentrums St. Virgil.