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Co-Parenting: Wenn aus einem Paar Eltern werden

Wie verändert sich eine Partnerschaft durch ein Kind? Und wie kann eine gemeinsame elterliche Allianz entstehen? Ein Beitrag von Antonia Dinzinger MSc

Für viele Paare ist die Familiengründung ein Meilenstein. Gemeinsame Kinder bereichern die Beziehung und viele Eltern wachsen an ihren neuen Aufgaben. Für die meisten Eltern ist die Zeit mit ihrem ersten Kind aufregend, bereichernd und wunderschön. Kinder bringen eine Menge neuer Aufgaben und natürlich auch die ein oder andere Herausforderung mit sich. Eine der ersten ist es, die Beziehung neu aufzuspannen: Die Linie zwischen Frau und Mann soll plötzlich ein Dreieck werden zwischen Mutter, Vater und Kind – am besten ein gleichseitiges, in dem ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz herrscht. Allein das scheint für manche die sprichwörtliche Quadratur des Kreises zu sein.

Wie kann man gleichzeitig ein guter Vater und liebevoller Partner sein? Zur selben Zeit eine fürsorgliche Mutter und eine aufmerksame Ehefrau?

Ganz einfach ist das nicht - gelingt Eltern jedoch dieser Spagat, kann daraus eine große Ressource entstehen. Im gegenseitigen Austausch können sich Mama und Papa die Erziehung ihres Kindes sozusagen „teilen“, was in der Fachwelt als gelungenes „Co-Parenting“ bezeichnet wird. Der Begriff des „Co-Parenting“ wird in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet (zum Beispiel auch bei gleichgeschlechtlichen Paaren, die erst durch die Co-Elternschaft eines drittes biologischen Elternteils Kinder bekommen können). In diesem Fall bezeichnet der Begriff Co-Parenting jedoch den Übergang eines Paars zur Elternschaft. Das heißt, er beschreibt die gegenseitige stützende Allianz zwischen zwei Erwachsenen in der Erziehung und Pflege ihres gemeinsamen Kindes.

Elternschaft erfordert „Teamwork“

Neben ihren neuen Rollen als Mama und Papa sind Eltern aber auch noch immer Partner und Partnerin. Sich gegenseitig im „neuen Alltag“ mit Kind so gut wie möglich gegenseitig zu unterstützen, erfordert viel gegenseitigen Austausch und Verständnis für die Bedürfnisse des Partners oder der Partnerin.

Finden Eltern gut in ihre neue Rolle hinein, hat das auch einen positiven Einfluss auf das Familienklima. Bereits kleine Babys nehmen das elterliche „Teamwork“ wahr: sie schreien weniger, haben einen besseren Schlafrhythmus und sind leichter zu beruhigen. Forschungsergebnisse unterschiedlicher Studien belegen, dass das Miteinander der Eltern (also das Co-Parenting) sowohl einen Einfluss auf die kindliche Entwicklung als auch auf die Bindungssicherheit hat. Unterschiede in der Ausübung der Elternschaft mit Einflussfaktoren wie wechselseitigem Verständnis, gegenseitiger Unterstützung und Aufgabenteilung zwischen Mutter und Vater beeinflussen die Qualität der Eltern-Kind-Bindung. Langfristig sind die Kinder sozial kompetenter und weisen neben besseren schulischen Leistungen auch weniger aggressive Verhaltensweisen auf.

Neben der Aufgabenteilung bei der Kindererziehung hilft es oft, das Augenmerk auch noch einmal auf die Paarbeziehung zu legen. Hier können zum Beispiel Freunde oder Großeltern aushelfen, sodass die Eltern neben der gemeinsamen Zeit zu dritt auch etwas Paarzeit verbringen können.

Mit guter Kommunikation den Stress mindern

Um die gemeinsame Elternschaft gut auf den Weg zu bringen, hilft meist der gegenseitige Austausch. Werdende Eltern können sich bereits während der Schwangerschaft Gedanken machen, wie sie mit fordernden Situationen umgehen können. Denn was dem einen ganz leichtfällt, ist für den anderen vielleicht schwierig. Konkret können sich werdende Eltern zum Beispiel die Fragen stellen: In welcher Form brauche ich / wünsche ich mir von meinem Partner / meiner Partnerin Unterstützung mit dem Kind? Welche Aufgaben könnte der Vater auch schon früh übernehmen? Wie kommunizieren wir, wenn jemand eine Auszeit braucht? Welche Situationen machen Stress?

Bei uns in der Forschung nennen wir das einen Austausch über Ressourcen und Stress-Trigger. Diese Trigger sind Erinnerungen oder Ereignisse aus der Vergangenheit, die unser Denken und Handeln fortwährend beeinflussen. Sie wirken sich darauf aus, wie wir Situation wahrnehmen und bewerten. So fällt es vielleicht einem Elternteil leichter das Kind ins Bett zu bringen, während der andere mit kleinen Trennungen im Alltag eher Schwierigkeiten hat, weil sie für ihn mit negativen Erinnerungen assoziiert sind. Weiß der Partner / die Partnerin über solche Trigger Bescheid, fällt es leichter, in angespannten Situationen den richtigen Ton zu finden und an der richtigen Stelle zu unterstützen.

Im Zuge der Urvertrauen-Studie des Instituts für Early Life Care werden diese Zusammenhänge noch genauer beforscht, um junge Familien so gut wie möglich unterstützen zu können. Dafür werden derzeit noch werdende Eltern gesucht:

www.pmu.ac.at/early-life-care/urvertrauen-studie

Antonia Dinzinger

Die Psychologin und Bindungsforscherin Antonia Dinzinger ist seit November 2018 als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Institut für Early Life Care Salzburg tätig. Neben ihrem Doktoratsstudium der Medizinischen Wissenschaften (PhD) an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität befasst sie sich mit der Organisation und Durchführung der Urvertrauen-Studie.