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Der 1. Juni ist Weltelterntag

Zunehmend rückt auch die besondere Rolle der Väter in den Blickpunkt. Ein Beitrag von Early Life Care Absolventin Anna-Maria Eulenstein, MSc.

Einmal im Jahr, am 1. Juni, stehen Eltern im Zentrum der Aufmerksamkeit. Ziel des Aktionstages ist es, Eltern besondere Wertschätzung für ihre wichtige Aufgabe entgegenzubringen und sie zu stärken. Zunehmend rückt auch die besondere Rolle der Väter in den Blickpunkt. Doch rund um die Geburt werden Väter und die Bedeutung ihrer Anwesenheit zu häufig noch vergessen.

Familie im Wandel

Das Familienbild hat sich in den letzten Jahrhunderten stark gewandelt. Väter sind nicht mehr nur die ökonomische Absicherung für Familien, sondern wollen sich selbst in das Familienleben einbringen, ihre Kinder aufwachsen sehen und sich an der Erziehung aktiv beteiligen.

Ist es ein Zufall, dass dieser Wandel gleichzeitig mit dem Einzug der Männer in den Kreißsaal kam?

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett sind für beide, Mütter und Väter, tiefgreifende Lebenserfahrungen und bringen eine enorme Veränderung ihrer Lebenssituation mit sich. Generell bekommen Väter in dieser Zeit weniger Aufmerksamkeit und es gibt auch kaum wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Thema. Darum habe ich speziell ihnen meine Masterarbeit gewidmet. Positive väterliche Gefühle wirken sich genauso wie die positiven Gefühle der Mutter günstig auf Geburt und Wochenbett aus und ermöglichen somit dem Neugeborenen einen guten Start ins Leben.

Bonding

Der erste wichtige Beitrag für einen guten Bindungsaufbau nach der Geburt ist das sogenannte Bonding. Damit bezeichnet man das emotionale Band zwischen Eltern und Kind, das auch durch intensiven Haut-zu-Haut Kontakt gefördert wird. Nach der Geburt ist dies ideal, da Mutter, Kind und auch der Vater - sofern er bei der Geburt anwesend war - unter einem hohen Oxytocinspiegel stehen und alle sehr aufnahmefähig sind. Hautkontakt, nicht nur direkt nach der Geburt, sondern auch in den folgenden Tagen und Wochen, fördert die Bindung innerhalb der Familie.

Deshalb sollten Väter in allen Krankenhäusern die Möglichkeit haben, bei ihren Frauen und Neugeborenen zu bleiben und somit von Anfang an am Familienleben teilhaben zu dürfen. So können sie ihre Kinder gut kennenlernen und eine enge Beziehung zu ihnen aufbauen. Es schult die Väter darin, die Bedürfnisse ihrer Kinder zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Für die Frauen ist die Anwesenheit der Väter auch eine wichtige Unterstützung. Die Mitaufnahme der Väter ins Wochenbett sollte endlich so selbstverständlich werden wie deren Aufnahme in die Kreißsäle.

Früher Beginn

Alle Berufe des Gesundheitswesens, die mit Familien in dieser hochsensiblen, ersten Zeit arbeiten, sollten auf das Thema Bindung und Beziehungsaufbau sensibilisiert werden. Als Hebamme und Early Life Care Absolventin kann ich bereits in der Frühschwangerschaft Mütter und Väter auf die wichtige, prägende und weichenstellende Zeit aufmerksam machen.

Bei der Geburt sollten Mütter und Väter ermutigt werden, langes und ungestörtes Bonding mit ihrem Baby vollziehen zu können, die Handys beiseite zu legen und diese schöne erste Zeit in vollen Zügen zu genießen.

Anna Eulenstein

Anna Eulenstein Msc ist Absolventin des Universitätslehrgangs Early Life Care. Sie arbeitet als angestellte Hebamme im Krankenhaus Klosterneuburg. Zusätzlich bietet sie freiberuflich Geburtsbegleitungen, Mutter-Kind-Pass-Gespräche und Nachbetreuungen an.