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Tag der Familie

Der diesjährige „Tag der Familie“ am 15.5. nimmt den Einfluss neuer Technologien auf Familien in den Blick.

Medienkompetenz für Familien

Eltern sind Vorbilder: „Man kann seine Kinder nicht erziehen, sie machen einem sowieso alles nach“. Diese Aussage von Karl Valentin trifft besonders zu, wenn es um das Thema digitale Medien geht. Digitale Medien sind in der heutigen Welt allgegenwärtig – auch für Kinder. Für Eltern wird es zunehmend wichtiger, ihren Kindern einen reflektierten Umgang mit der allgegenwärtigen Technik zu lernen, und sie fragen sich, wie man am besten mit dieser Herausforderung umgeht.

Das Institut für Early Life Care der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Einsatzes digitaler Technik in Anwesenheit von Säuglingen. Ziel dieser Forschung ist es, Familien, auf Basis von wissenschaftlicher Evidenz, zu ermutigen, achtsam an die Frage der Mediennutzung heranzugehen und den Umgang mit digitalen Medien bewusst zu gestalten. Es ist an der Zeit, die Notwendigkeit einer sogenannten „Medienkompetenz“ für Eltern und Fachkräfte zu thematisieren.

Digitale Medien im Familienalltag

Schon die Kleinsten sehen, wie Erwachsene am Laptop sitzen, telefonieren oder fernsehen. Digitale Medien sind allgegenwärtig und wecken, wie alles was neu ist, die Neugierde unserer Kinder. Deshalb ist es weder sinnvoll, noch realistisch, zu versuchen die Kinder von digitalen Medien fernzuhalten. Vielmehr geht es darum altersgerechte Inhalte zu wählen, die Kinder bei ihrem Medienkonsum zu begleiten und vor allem einen verantwortungsbewussten Umgang damit vorzuleben (Jugend und Medien, 2020). Die mit dem Smartphone einhergehenden neuen Verhaltensweisen bedeuten große Herausforderungen für Eltern. Ihnen diese Problemstellung bewusst zu machen, ist eine wichtige Aufgabe für all jene, die beruflich mit werdenden Eltern und Familien zu tun haben. Daher stellt sich die Frage, wie Eltern bei der herausfordernden Aufgabe eines verantwortungsvollen Umgangs mit der digitalen Technik begleitet werden können.

Aktuelle Forschung zum Thema Digitalisierung & Familien

Nicht einmal ein Drittel der Österreicher könnte sich ein Leben ohne Handy vorstellen (Statista, 2020). Die digitale Technik führt durch die Möglichkeit der ständigen Erreichbarkeit, kombiniert mit dem sozialen Druck, schnell auf Anrufe und Nachrichten reagieren zu müssen, zu einer verstärkten Nutzung, insbesondere unter Eltern. Wie erste Studien zeigen, scheint die Fähigkeit der Erwachsenen aufmerksam mit ihren Babys und Kleinkindern zu interagieren von der Smartphone-Nutzung beeinflusst zu sein. So gibt es Zusammenhänge zwischen hoher elterlicher Smartphone-Nutzung und auffälligem kindlichen Verhalten sowie kindlichen Schlaf- und Essstörungen (McDaniel & Radesky, 2018a; Riedel et al., 2017). Allein die Anwesenheit eines Smartphones verringert die Qualität und Freude an der Interaktion zwischen Gesprächspartnern (Ward et al., 2017; Dwyer et al., 2018; Misra et al., 2016) und Betreuungspersonen sind, während sie ihre Kinder beaufsichtigen, in ihr Telefon vertieft (Hiniker, 2015). Zudem sind Mütter, die ihr Smartphone nach eigenen Angaben vermehrt nutzen, weniger in der Lage, ihr Kind nach einer Stresssituation zu beruhigen (Myruski et al., 2017). Eltern, die ihr Smartphone während der Eltern-Kind-Interaktion benutzten, wurden als weniger sensibel eingeordnet und reagierten sowohl verbal als auch nonverbal weniger auf die Aufmerksamkeitsangebote ihrer Kinder. Dies kann zu einer geringeren Qualität dieser Eltern-Kind-Interaktionen führen (Kildare & Middlemiss, 2017). Vor allem eine längere Nutzungszeit des Smartphones steht in Zusammenhang mit niedrigerer Sensitivität in der Mutter-Kind-Interaktion (Wolfers et al., 2020).

Herausforderung für Familien

Es scheint also, dass die Fähigkeit der Erwachsenen aufmerksam mit ihren Babys und Kleinkindern zu interagieren von der Smartphone-Nutzung beeinflusst wird. Diese Unterbrechungen in der Eltern-Kind-Interaktion durch die Verschiebung der Aufmerksamkeit auf das Smartphone werden uns in den nächsten Jahren noch viel beschäftigen und eine Herausforderung für Eltern und Fachkräfte darstellen.

Smart.Baby-Studie

Am Salzburger Institut der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität wird im Rahmen der Smart.Baby-Studie anhand einer kurzen Videoaufzeichnung untersucht, wie sich die mütterliche Smartphone-Nutzung auf die Mutter-Kind-Interaktion auswirkt. Dafür werden Mütter mit Kindern zwischen 3 und 10 Monaten zu einer einmaligen Untersuchung ans Institut für Early Life Care eingeladen. Aufgezeichnet wird dabei eine Spiel-Interaktion, die durch eine kurze Smartphone Phase, sowie eine Phase ohne Interaktion unterbrochen wird.
Kontakt: smart.baby@pmu.ac.at

Literatur

Dwyer, R. J., Kushlev, K., & Dunn, E. W. (2018). Smartphone use undermines enjoyment of face-to-face social interactions. Journal of Experimental Social Psychology, 78, 233-239. doi:https://doi.org/10.1016/j.jesp.2017.10.007

Hiniker, A., Sobel, K., Suh, H., Sung, Y. C., Lee, C. P., & Kientz, J. A. (2015). Texting while parenting: How adults use mobile phones while caring for children at the playground. Proceedings of the 33rd Annual ACM Conference on Human Factors in Computing Systems, 727–736.

Jugend und Medien (2020). URL: https://www.jugendundmedien.ch, verfügbar am, 3, 2021.

McDaniel, B. T., & Radesky, J. S. (2018a). Technoference: Longitudinal associations between parent technology use, parenting stress, and child behavior problems. Pediatric Research, 84(2), 210–218.

Misra, S., Cheng, L., Genevie, J., & Yuan, M. (2016). The iPhone Effect. Environment and Behavior, 48(2), 275-298. doi:10.1177/0013916514539755

Myruski, S., Gulyayeva, O., Birk, S., Pérez-Edgar, K., Buss, K. A., & Dennis-Tiwary, T. A. (2018). Digital disruption? Maternal mobile device use is related to infant social-emotional functioning. Developmental Science, 21(4), e12610.

Kildare, C. A., & Middlemiss, W. (2017). Impact of parents mobile device use on parent-child interaction: A literature review. Computers in Human Behavior, 75, 579-593.

Riedel, R., Büsching, U., & Brand, M. (2017). BLIKK-Studie: Factsheet [Press release]

Statista (2020). https://de.statista.com/themen/3654/smartphone-nutzung-in-oesterreich/#dossierSummary, verfügbar am, 3, 2021.

Ward, A. F., Duke, K., Gneezy, A., & Bos, M. W. (2017). Brain drain: The mere presence of one’s own smartphone reduces available cognitive capacity. Journal of the Association for Consumer Research, 2(2), 140-154.

Wolfers, L. N., Kitzmann, S., Sauer, S., & Sommer, N. (2020). Phone use while parenting: An observational study to assess the association of maternal se

Marion Hantinger

Marion Hantinger ist Psychologin und arbeitet seit 2019 als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Smart.Baby-Studie. Sie ist Mutter von drei Kindern und es ist ihr ein Anliegen, das Thema Medienkompetenz in Familien zu stärken.

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