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1. Juli: Tag des Gewaltverbots in der Erziehung in Österreich

Eine Form der Kindesmisshandlung ist das Schütteltrauma. Ein Aufruf zur Prävention von Early Life Care Absolventin Teresa Maria Ebner, MSc.

Am 1. Juli jährt sich jener Tag, an welchem das Gewaltverbot in der Erziehung im Jahre 1989 gesetzlich verankert wurde. Dieses hält fest, dass die Anwendung jeglicher Gewalt und das Zufügen physischen oder psychischen Leides unzulässig ist. Eine Form der Kindesmisshandlung durch Gewalteinwirkung ist das Schütteltrauma.

Das Schütteltrauma – kumulierende Überlastungssituation mit weitreichenden Folgen

Das Schütteltrauma, auch Shaken-Baby-Syndrom (SBS) genannt, wird zu der Gruppe der auf Kindesmisshandlung zurückzuführenden Kopfverletzungen gezählt. Zahlen in Österreich fehlen, werden aber die vorhandenen Studienzahlen von Deutschland auf Österreich umgelegt, so geht man von 10 bis 20 Kindern in einem Jahr aus, welche von Schütteltrauma betroffen sind.  Eine Mortalität von 20-25% sowie schwere Langzeitbeeinträchtigungen überlebender Säuglinge (75-80%) lassen die Wichtigkeit der Prävention dieser Form der Kindesmisshandlung deutlich werden.

Auslöser und Ursachen sind multifaktoriell sowie als eine Kumulation verschiedener Belastungsfaktoren über einen gewissen Zeitraum (Tage bis Wochen). Dies sind wie beispielsweise [exzessiv] schreiende Säuglinge, Schlafmangel, gesellschaftlicher Druck, fehlendes soziales Netzwerk. Das Vorkommen jener Form der Kindesmisshandlung ist unabhängig vom sozioökonomischen Status.

Präventionsbedarf und -möglichkeiten

Der Präventionsbedarf in der Stadt Salzburg und die daraus resultierenden Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf die Prävention von Schütteltrauma wurden im Rahmen der Masterthesis der Autorin erhoben.

Der Bedarf ist gegeben – bereits bestehende Angebote sind im primären und sekundären Sektor angesiedelt, jedoch wird hierbei allgemeine Präventionsarbeit, nicht speziell auf das Schütteltrauma bezogen, betrieben. Hinzu kommen geringe Ressourcen in diverser Hinsicht (fehlende Zeitressourcen – lange Wartezeiten, nicht ausreichende personelle Ressourcen sowie zu wenig Unterstützung in Form von monetären Mitteln).

Um den Kindern ein gesundes Aufwachsen (psychischer und physisch) zu ermöglich, ist es unabdingbar in Zukunft den Fokus (mehr) auf die Kinder und deren Eltern zu legen. Eltern mit Neugeborenen, Eltern mit Belastungsfaktoren, Eltern mit einem Kind mit Regulationsschwierigkeiten - denn die Prävention von Schütteltrauma betrifft nicht nur eine bestimmte Gruppierung. Bei Fachkräften und Institutionen wie Hebammen, niedergelassenen Pädiaterinnen und Pädiater, im Uniklinikum Salzburg (Elternschule, Kinderstationen und gynäkologische Abteilungen), Frühe Hilfen (Birdi) und Elternberatung Salzburg, Ambulanzen für exzessiv schreiende Säuglinge, die Kinder- und Jugendhilfe sowie Kinderschutzgruppen, können und sollen Maßnahmen implementiert werden. Dazu gehören analoge und digitale Aufklärungsarbeit und Wissensvermittlung zum Thema Schütteltrauma, Babyschreien und Elternschaft, Beruhigungsstrategien für Säuglinge und Eltern sowie Stärkung der elterlichen Kompetenzen. Familien sollten an bereits bestehende Unterstützungsangebote angebunden werden. Konzepte wie SAFE®, Emotionelle Erste Hilfe sowie Early Life Care Consultants in pädiatrischen Praxen sind weitere Präventionsmöglichkeiten. Es gilt bereits bestehende Angebote, in Institutionen und bei Fachkräften, auszubauen und Maßnahmen umzusetzen, mit dem notwendigen professionellen Personal, durch mehr generierte finanzielle Mittel und dadurch in Folge auch mehr Zeitressourcen.

Nur wenn alle Gesundheitspersonen (institutionsübergreifend und interdisziplinär), die Gesellschaft und die Politik an einem Strang ziehen, können die Maßnahmen sowie Ziele umgesetzt und erreicht werden – um Kinder vor Gewalt zu schützen, Familien bzw. Eltern mit ihren Sorgen und Nöten wahrzunehmen sowie diese zu begleiten und zu unterstützen.

Literatur:

Bitzer, E., Walter, U., Linger, H. & Schwartz, F. (Hg.). (2009). Kindergesundheit stärken. Vorschläge zur Optimierung von Prävention und Versorgung. Heidelberg: Springer Verlag.

Ebner, T. (2020). Das Schütteltrauma-Syndrom (Shaken-Baby-Syndrom) – Präventionsmöglichkeiten und -bedarf in der Stadt Salzburg aus interdisziplinärer Sicht.

Nationales Zentrum Frühe Hilfen [NZFH]. (Hg.). (2017). Die unterschätze Gefahr des Schüttelns von Babys. Bundesinitiative Frühe Hilfen aktuell, 2017 (4), S.1-4.

Radaschitz, M. (2010). Schütteln ist lebensgefährlich – Grazer Präventionskampagne Schütteltrauma. Verfügbar unter: cfi.lbg.ac.at/files/sites/cfi/Presseinfo%20 Schütteltrauma__17.6.2010.pdf

Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend. (2011). Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Leitfaden für die Kinderschutzarbeit in Gesundheitsberufen. Verfügbar unter: www.gewaltinfo.at/uploads/pdf/Leitfaden-Kinderschutzgruppen-2011.pdf

Teresa Maria Ebner

 

Teresa Maria Ebner BSc MSc ist Absolventin des Universitätslehrganges Early Life Care. Sie hat eine Ausbildung zur Kindergartenpädagogin, Hortpädagogin, Allgemeinen Gesundheits- und Krankenpflegeperson sowie eine Zusatzausbildung der Kinder- und Jugendlichenpflege. Seit 2015 betreut sie auf der Station „reKiZ“ (Kinderneurorehabilitation) am Uniklinikum Salzburg schwer erkrankte Kinder- und Jugendliche mit neurologischen Krankheitsbildern – unter anderem Kinder mit Zustand nach einem Schütteltrauma.