Lehrgangsprinzipien

  1. Bio-psycho-soziales Modell
    Der ULG legt seinem Curriculum ein multiperspektivisches Menschen- und Weltbild zugrunde: Der Mensch wird in seinem biologischen, psychischen und sozialen Erleben wahrgenommen. Die Beziehungen zwischen Menschen, Gruppen und Einrichtungen werden systemisch gestaltet und reflektiert. Konzeptionen wie Salutogenese und Resilienz konkretisieren diese Sichtweise.
  2. Ethik
    Im Werden eines Menschen, seiner Geburt und dem ersten Lebensjahr ergeben sich oft komplexe Situationen, die eine Vielzahl ethischer Fragestellungen aufwerfen. Deren interdisziplinäre Diskussion und Beantwortung aus individueller und institutioneller Sicht finden im ULG zentrale Berücksichtigung.
  3. Bindungsorientierung
    Der Aufbau einer sichereren Bindung zu einer oder mehreren festen Bezugsperson(en) stellt eine zentrale Weichenstellung für menschliche Biografien dar. Dieser Aspekt wird in seinen Auswirkungen auf Wohlbefinden und Gesundheit während der frühen Kindheit durchgehend thematisiert.
  4. Entwicklungsbedingte Ursprünge von Erkrankungen im Erwachsenenalter ("Fetale Programmierung")
    Gesundheitliche Beeinträchtigungen und Erkrankungen im Erwachsenenalter können entwicklungsbedingte Ursprünge in der Schwangerschaft haben. Der ULG "Early Life Care" rückt die sensiblen Phasen Schwangerschaft, Geburt und die erste Zeit nach der Geburt sowie die darauf einflussnehmenden Faktoren in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
  5. Kinderschutz
    Schwangerschaft, Geburt und erstes Lebensjahr stellen hochsensible Lebensphasen für Kinder und Eltern, aber auch für die sie begleitenden Fachkräfte dar. Diese Phasen bedürfen des umfassenden Schutzes. Dieser wird im Universitätslehrgang interdisziplinär bearbeitet und in unterschiedlichen Kontexten konkretisiert.
  6. Interprofessionelle Kommunikation und Kooperation
    Um eine optimale Begleitung der Betroffenen zu gewährleisten, ist die Einübung und Erfahrung gelingender transprofessioneller Kommunikation und Kooperation eine zentrale Dimension dieser Ausbildung. Dies setzt die Förderung und Sicherung eines kontinuierlichen Wissenstransfers zwischen den Professionen und den Disziplinen voraus.
  7. Sensibilität für Gender- und Kulturunterschiede
    Das Erleben von Schwangerschaft, Geburt und erstem Lebensjahr zeigt z.T. große kulturelle Unterschiede. Auch werden diese Lebensereignisse von Frauen und Männern unterschiedlich erfahren und bewältigt. Der ULG trägt dieser Vielfalt auf den unterschiedlichen Ebenen Rechnung (Inhalt, Didaktik, Auswahl der Lehrenden …).
  8. Selbstreflexion und -erfahrung
    Die beteiligten Berufsgruppen begleiten Menschen in Phasen zwischen Hoffnung und Angst, Freude und Trauer. Da sie aus systemischer Sicht immer in diese Prozesse und Erfahrungen involviert sind, sind Selbstreflexion und -erfahrung unabdingbare Anforderungen, um das eigene Erleben und die eigenen Anteile am Begleitungsgeschehen bewusst zu machen und angemessene Handlungsoptionen zu eröffnen.
  9. Erwachsenengerechte Didaktik
    Die hier geschilderte Themenvielfalt, die Förderung des interdisziplinären Dialogs und die Ermöglichung nachhaltigen Lernens bedürfen einer erwachsenengerechten Didaktik. Die Lehrenden des ULG unterstützen die Teilnehmer/-innen bei einer wirkungsvollen Aneignung des notwendigen Wissens und beim nachhaltigen Kompetenzerwerb. In diesem Sinne gestalten sie auf dem Hintergrund einer erwachsenengerechten Didaktik Lernsituationen und -materialien.